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Die Schweizer Fachzeitschrift für die Textil - und Modebranche
Business
21.06.2019

No women – no fashion

«Von den hundert grössten Arbeitgebern der Schweiz werden derzeit drei von einer CEO geführt. In der Riege der Verwaltungspräsidenten sitzen mehr Männer mit Namen Jörg, Peter oder Urs als Frauen», schreibt die NZZ in einem Artikel zum Thema Ungleichstellung von Frauen und Männern in unserer andernfalls doch recht fortschrittlichen Gesellschaft. Dieses Ungleichgewicht schlägt sich neben vielen anderen auch in der Mode- und Textilbranche stark nieder. Laut einer Analyse der Mode-Suchmaschine Lyst, die das Online-Shoppingverhalten in 15 deutschen Städten unter die Lupe nahm, investieren in nur 3 der analysierten Städte die Männer jeweils mehr Geld als die Frauen in ihre Kleidung. Es ist davon auszugehen, dass die Statistiken in der Schweiz ähnlich aussehen. Doch wer profitiert schlussendlich vom Ertrag, den all die Frauen online durch ihre Kaufkraft erbringen? Und den des stationären Handels? Und wer ist hier das Aushängeschild einer Marke wenn nicht solche, die auf der Fläche stehen? Bewegt man sich im unteren, nicht weniger ehrenwerten Teil der Karriereleiter der Textilbranche, tummeln sich die Frauen. Gehen uns doch Bezeichnungen wie «Näherin» oder «Verkäuferin» um einiges leichter über die Lippen als «die CEO» oder «die Vorstandsvorsitzende». Oder etwa nicht? Schauen wir etwas aufwärts, in die kreative Riege, sieht es schon ganz anders aus. Wie Forbes Anfang des Jahres mit Bezug auf eine Studie von «Business of Fashion» berichtete, werden nur 40 Prozent der Womenswear Brands auch von Frauen designt. Noch dünner wird die Luft in der Chefetage. Wie die kürzlich von PwC veröffentlichte globale Studie «Unraveling the Fabric Ceiling» enthüllte, besetzten nur bei 12,5 Prozent der auf der Fortune-1000-Liste aufgeführten Bekleidungs- und Einzelhandelsunternehmen Frauen den Chefsessel (textilrevue berichtete). Die Zahlen sind erschreckend klein. Besonders, wenn man bedenkt, dass sich in unseren Köpfen das Vorurteil hält, die Textilbranche sei eine vorwiegend weibliche. Auf den ersten Blick stimmt es ja sogar: Frauen bringen das Geld ins Business indem sie kaufen. Frauen treiben das Business voran in dem sie verkaufen. Doch das Ernten der Lorbeeren und die grossen Entscheidungen bleiben momentan zumindest grösstenteils den männlichen Kollegen vorbehalten. Die Positionen sind ungleich, von ungleichen Löhnen innerhalb der gleichen Berufsgruppe ganz zu schweigen. Es wird Zeit, starre Unternehmensstrukturen aufzubrechen und zum Umdenken anzuregen, sodass auch Frauen ernten dürfen, was sie säen.

 

Hier geht’s zum Artikel der NZZ
Hier geht’s zum Artikel von Forbes
Hier geht’s zur Analyse von Lyst
Hier geht’s zur PwC-Studie

 

Aylin Aslan